Mein Einstieg in die "praktische Astronomie", 01.06.04


 
Da ich mich schon seit Jahren für Philosophie, Science Fiction und eben auch Astronomie interessiere, schon immer versucht habe mehr als nur die naheliegende optische Wirklichkeit wahrzunehmen, war es für mich an der Zeit auch mal in die "praktische Astronomie" einzusteigen. Die Kombination aus beidem, Physik und Metaphysik, ist heutzutage notwendig, möglich und erforderlich, um die Welt um uns herum zu erfahren und im Rahmen unserer Möglichkeiten zu erfassen - was könnte sinnvoller sein? Nur das, was man selbst erfährt und sieht ist letztendlich wirkliches Wissen, besser und gehaltvoller als in irgendeinem Buch zu lesen.
 
Langer Rede kurzer Sinn - ein Teleskop mußte her!
Diese Websiten dokumentieren meinen Einstieg, die Probleme, mögliche Lösungen, benötigtes Material und vorallem auch Aufnahmen von Beobachtungen (siehe Link "Astrofotos").
 
Als Anfänger und Autodidakt erschien es mir sinnvoll mit einer guten computergesteuerten Montierung und einem relativ problemlosen (wenig justieranfälligen), aber recht lichtstarken Teleskop einzusteigen. Ein Refraktor mit 152mm Objektivdurchmesser und 990mm Brennweite erschien mir sinnvoll, kostet vielleicht etwas mehr, erfüllt aber meine Kriterien. Ein kleineres Gerät ist natürlich günstiger, verdirbt aber sicher den Spaß und verhindert damit den Einstieg. Mit dem genannten Gerät ist mit diversen Filtern eine noch gute Planetenbeobachtung möglich, hauptsächlich aber Deep Sky (Galaxien, Nebel, Sternhaufen) -mein eigentliches Interessengebiet, denke ich. Dank dem Öffnungsverhältnis von ca. f=1/6.5 eignet sich das Teleskop gut für Kameraaufnahmen, die Belichtungszeiten halten sich in Grenzen und die Dokumentation der Beobachtungen macht Spaß. Durch ebay wurde ich auf Herrn Ransburg, Inhaber vom 'Teleskop- Service' (http://www.teleskop-service.de/) aufmerksam und ich bestellte mir den TS 152/990 Refraktor samt Advanced GT GoTo Montierung. Ca. 40000 Objekte können mit dieser Montierung völlig automatisch nach Bezeichnungseingabe angesteuert werden und es lassen sich dadurch auch ohne große Kenntnis des Himmels erste Beobachtungen tätigen -ohne Frust. Die oben genannte Teleskop- Service Seite bietet eigentlich alles wissenswerte zum Thema Astronomie, vom Anfänger bis hin zum Amateuer, die Preise sind ok und der Service ist vorbildlich. Es empfiehlt sich übrigens vor dem Kauf viel zu lesen, nach dem Kauf natürlich auch oder dann gerade erst recht. Das Internet bietet zahlreiche Quellen zu jedem Thema...
 
Hier nun ein Foto meines 'Einstieg- Teleskops' am Tag des Aufbaus,
das Teil ist schon recht mächtig, vielleicht erkennt man das am Vergleich mit der Liege:
 
 
 
Die Dachterasse liegt übrigens ideal in genauer Süd- Richtung, bietet genügend Platz, das Umgebungslicht hält sich noch in Grenzen (außerhalb der Großstadt, ca. 25 km bis Köln und Düsseldorf, kleines Örtchen).
 
Da die Montierung und das Teleskop relativ schwer sind, habe ich mir zusätzlich für gelegentliche Beobachtungen noch ein zweites Teleskop zugelegt. Die kleine GoTo Montierung (ebenfalls computergesteuert mit ca. 4000 Objekten), habe ich preiswert bei ebay für knapp 200 EUR ersteigert, das Skywatcher Teleskop 102/500 habe ich ebenfalls günstig beim Teleskop- Service erstanden. Das kleinere Teleskop ist immer fertig montiert und wenn es Wetter, Lust und Laune zulassen in 5 Minuten aufgestellt und ausgerichtet. Als Okulare verwende ich 1,25" Plössels, 6.5mm, 9mm, 10mm, 15mm, 25mm, 26mm (haben sich so angesammelt), sowie zusätzliche Barlows 1,5x, 2x und 4x. Die Barlow Linsen dienen zur Vergrößerung bei gleichbleibender Okulargröße und damit besserem Einblickverhalten im Gegensatz zu kurzbrennweitigen, kleineren Okularen. Außerdem werden sie bei Webcam- Fokal- Aufnahmen zur Größenänderung benötigt, da hier direkt auf den CCD- Chip belichtet wird.
 
 
 
Bisher hat das Wetter leider nicht gut mitgespielt, so daß ich erst wenige Nächte testen konnte. Die Qualität der Optiken beider Geräte am Tag, vorallem aber auch bei Nacht, ist meiner laienhaften Anfänger- Meinung nach recht gut. Alles stellt sich scharf und mit gutem Kontrast dar, der Farbfehler hält sich in Grenzen und es macht Spaß mit beiden Geräten zu beobachten. Erste Eindrücke bei schlechter Sicht und relativ früh am Abend finden sich unten. Um Entäuschungen zu vermeiden ist es auf jeden Fall erforderlich, recht spät in der Nacht (jetzt Ende Frühling, Anfang Sommer) mit den Beobachtungen zu beginnen, der Himmel wirkt nur bei wirklicher Dunkelheit beeindruckend. Bisher habe ich bereits meist gegen 1 Uhr schon eingepackt, zu früh für diese Jahreszeit, außerdem hat mir die Helligkeit des Mondes einen leichten Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin konnte ich z.B. bereits durch beide Teleskope M57, M13 usw. gut erkennen. Zum 'Aufwärmen' fange ich meist mit den Planeten an, mache einige Aufnahmen und erprobe mein neu erworbenes Material. Es gibt da schon einiges aufzubauen und zu erledigen, Montierung aufstellen, ausrichten, Teleskop aufsetzen, Referenzsterne anfahren, Notebook mit Webcam anschließen, Objekte aussuchen und überhaupt erstmal alles kennenlernen... viele Kabel, viele Gerätschaften.
 
Schlechtes Wetter hat übrigens den Vorteil, die Theorie weiter zu vertiefen, daher gibt es immer ein 'astonomisches Tätigkeitsfeld' und eine Pause bei langen Nächten.
Die folgenden Bilder sind alles Einzelaufnahmen ohne große Nachbearbeitung, teilweise minimal aufgehellt...
Hier einige meiner ersten Aufnahmen (afokal, normale 3.3 MP CCD Kamera, freihändig):
 
Mond:
 
 
Saturn und Venus: 
 
Die ersten Philips ToU Webcam Pro II Aufnahmen (Fokalprojektion):
Selbstgefertigter Adapter mit eingebautem IR Sperrfilter aus dem Webcam- Objektiv, sonst ohne Filter
 
Mond (der Himmel war noch blau erhellt):
 
 

 
Jupiter:
 
 
 
 
 
 
Der rote Fleck ist schon ansatzweise im unteren Band links erkennbar.
 
Nochmal besonders hervorgehoben sei die Computersteuerung. Ist wirklich eine tolle Sache, nach erstem kurzem Studium der Anleitung war das Teleskop innerhalb von ca. 15 Minuten perfekt ausgerichtet (Polhöhe einstellen, grob in Richtung Norden richten, einige Standortdaten eingeben, 3 vorgegebene Referenz- Sterne noch "in die Mitte schubsen", fertig - ohne Karte und ohne zunächst die Sterne eigentlich zu kennen). Alle angefahrenen Objekte wurden mittig im Okular angezeigt auch nach 2 Stunden und dem Anfahren aller möglichen Objekte, lag alles noch mittig - tolles Teil. Alleine die automatische Nachführung gemäß der Erddrehung ist eine feine Sache - die Genauigkeit und Einfachheit der Bedienung kann grundsätzlich echt begeistern... Allerdings sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben, denn nach genauerer Betrachtung ist die Verarbeitung doch teilweise recht mäßig (die Basis ist gut) und daher kann ich die Montierung nicht uneingeschränkt empfehlen - siehe hier.
 
Mein nächstes Vorhaben ist übrigens der Umbau der Philips Webcam, das nötige Material liegt schon bereit. Für Deep Sky Aufnahmen sind Langzeitbelichtungen nötig, die Kamera schafft im 'Rohzustand' maximal eine viertel Sekunde. Hier gibt es einige Webseiten mit einfachen und auch etwas komplizierteren Umbauanleitungen -Bilder werden folgen. Wie schon oben erwähnt, läßt sich der im Objektiv eingebaute IR Sperrfilter der Webcam in einem Adaptergehäuse leicht weiterverwenden. Der Kauf eines doch recht teuren IR Zusatz- Filters ist nicht notwendig.